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Uganda 2014 - Ein Reisetagebuch

In late summer of 2014, I traveled the East African country of Uganda for five weeks, together with my good friend Paul. This is the digital version of the travel diary I kept throughout the journey, in which I have written down my personal impressions of this beautiful country and its people. It is full of awesome and less awesome photographs, where the awesome ones are taken by Paul (marked with [Paul]), whereas the meh ones are taken by myself. You'll see :).
You can click on the map to the right to view all the places we've been to.

Most of the content is in German. The journal entries are sorted by date (latest first).

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This diary is missing most of its entries, because I haven't yet migrated them to this new location. I will find some time to do that once I'm at South Pole.

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Map of Uganda
Map of Uganda [Google Maps]

Als ich aufwache, ist mir speiübel.
Kein Wunder, da wir uns am Abend zuvor in einem Anflug von YOLO die Zähne mit Leitungswasser statt mit Mineralwasser aus den versiegelten Flaschen geputzt haben.
Zum Glück stellt sich das ganze nicht als fiese Infektion heraus, sodass ich gegen nachmittag bereits wieder einigermaßen fit bin. Nach einer disaströsen Kniffelrunde mit Allan fahre ich zusammen mit Kathi ins Tooro Baby's Home - das Kinderheim, in dem Maria und Kathi arbeiten. Paul und Maria erwarten uns dort bereits.

Die große, am Hang gelegene Anlage bietet ein Zuhause für etwa 50 Kinder, die meisten im Baby- und Kleinkindalter. Begeistert kommen die Kinder auf uns zugerannt, als wir durch das große weiß gestrichene Eingangstor treten.
Die Kinder hier leben in einfachsten Verhältnissen. Jedes von ihnen hat ein Kinderbettchen in einem der großen Schlafräume, außerdem eine Schublade mit seinem Namen darauf, in der sich Kleiderspenden befinden - mehr besitzen diese Kinder nicht. Zu Essen gibt es Posho und manchmal Matooke - tagein, tagaus.

Dementsprechende Stürme der Begeisterung lösen die Gummibärchen und Seifenblasen aus, die wir mitgebracht haben. Sogar die leeren Haribo-Tüten scheinen die Unterhaltung der Kinder für den Rest des Tages sicherzustellen.

  • Glossar Eintrag #6     Empakos

Empakos - oder pet names - werden traditionell allen Batooro-Kindern verliehen, also allen Mitgliedern des Stammes der Tooro, deren Hauptstadt Fort Portal ist. Die Empakos werden anhand des Charakters des Kindes ausgewählt. Sie haben generell eine höhere Bedeutung als normale pet names, sind also nicht wirklich mit den bei uns üblichen Spitznamen vergleichbar.
Insgesamt gibt es zwölf verschiedene Empakos. Früher gab es geschlechterspezifische für Männer und Frauen; heute sind die meisten der Namen unisex, ein paar sind speziell für Männer. Der zwölfte - Ocaali - ist, glaube ich, für den König reserviert.

Auch ein Fremder kann von einem Einheimischen - einem Mutooro - einen Empako erhalten. Die Bedeutung einiger Empakos ist weiter unten zu finden (leider habe ich bis heute nicht alle zwölf Namen und deren Bedeutung herausgefunden). Die Schreibweise der Namen varriert dabei erheblich. Eigentlich genau wie bei allen Rutooro-Wörtern, die ich bis jetzt kennengelernt habe.
Wer noch keinen Namen erhalten hat oder der Meinung ist, der verliehene Name passt nicht so recht, kann ihn, ganz liberal, auch selber wählen.

Männernamen:
Apuuli - "Welpe"
Araali - "Blitz"/ "Donner"
Atenyi - "Freund des Königs"
Atwooki
Ocaali

Unisex:
Abooki
Abwooli - "Katze" (?)
Akiiki
Amooti - "König"
Bhala

Mitten in der Nacht wache ich auf, geweckt von Pauls Schnarchen aus der anderen Ecke des Zimmers. Abgesehen davon ist es in Fort Portal nachts erstaunlich still, nur das typische Zirpen der Grillen ist zu hören. Ab und zu schreit ein exotischer Vogel. Ich lausche der Natur eine Weile.
Irgendwo in der Stadt fängt ein Muezzin an, ein Gebet zu singen. Die hohen Hänge der nahegelegenen Mondberge verleihen der Stimme einen gespenstischen Hall...

Da wir es am Abend zuvor etwas übertrieben haben, lassen wir es heute ruhig angehen. Erst gegen Mittag treibt uns der Hunger auf Fort Portals Markt.
Auf dem schlammigen Boden inmitten der Marktstände stehen ein paar Plastikmöbel unter einem fleckigen Sonnenschirm - ein Local Restaurant. Man serviert uns für ein paar Schillinge Chapati mit G-Nut-Sauce.
Gesättigt sehen wir uns den Rest des Marktes an. Belebt, ja; aber kein Vergleich zu dem riesigen Owino-Market in Kampala. Auch die Menschen hier sind deutlich freundlicher; niemand zieht mir agressiv an Händen oder Haaren.
Plötzlich treffen wir auf einen Marabu. Die riesigen Vögel kennen wir bereits aus Kampala, doch so nah sind wir bis jetzt noch keinem Exemplar gekommen. Fasziniert beobachten wir das einigermaßen hässliche Tier, bis uns auffällt, dass um uns herum noch dutzende weitere Tiere über die Wellblechdächer der Marktstände stolzieren. Anscheinend gehören die Marabus hier genauso zum Marktleben wie bei uns die Tauben.

Auf dem Rückweg beschließen wir, uns bei einer Zuckerrohr-Plantage Nachtisch zu organisieren. Ein schmaler schlammiger Trampelpfad führt uns in einen von hohen Matooke-Pflanzen umgebenen Hof, wo zwei Frauen laut schwätzend Bohnen sortieren. Hühner und Entenküken umwuseln unsere Füße; aus einer der kleinen Lehmhäuser lukt neugierig ein Kind hervor. Wir grüßen freundlich und erklären unser Anliegen, worauf eine der beiden Frauen zwei meterlange Zuckerrohrstangen herbeiholt. Nein nein, wir wollen nur ein kleines Stück probieren, versuchen wir ihr klarzumachen. Sie sagt etwas auf Rutooro, dem Dialekt dieser Gegend. Fragend schauen wir uns an, die beiden Frauen fangen an zu lachen. Wir lassen ihnen den Spaß und spielen eine Weile weiter die ahnungslosen Touristen, zwangsläufig.
Schließlich reichen uns die sichtlich belustigten, aber sehr freundlichen Frauen zwei kleine Stücke Zuckerrohr. 200 Schillinge soll unser Nachtisch kosten; das sind in etwa 5 Cent. Einen 1000er können sie nicht wechseln, doch "Kleingeld" haben wir nicht. Das wäre nicht schlimm, meint eine von ihnen, wir könnten später wiederkommen und bezahlen, sie freuten sich auf unseren Besuch.
Im Paradise wollen wir unseren 1000er wechseln. Charles von der Rezeption grinst uns nur an und schenkt uns die 200 Schillinge.
Wenig später sitzen wir auf einer Wiese, zufrieden Zuckerrohr kauend und ermutigt durch die positiven Erfahrungen mit den freundlichen Einheimischen.

Den Abend verbringen wir in dem Haus, das Maria mit 4 weiteren Freiwilligen bewohnt: Kathi, Sonja, Olli und der Local Allan, die wir allesamt bereits im Dutchess kennengelernt haben. Das Haus ist spartanisch, aber gemütlich eingerichtet. Sogar warmes Wasser gibt es. Der Garten ist von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben, wie die meisten Häuser hier. Der Guard des Hauses und der Wachhund Murmel leben ebenfalls innerhalb dieser Mauern.
Wir sitzen auf der Veranda, trinken Nile Special und Tütenschnaps. Gemeinsam lauschen wir dem allabendlichen Regenschauer, währrend Murmel schwanzwedelnd zwischen unseren Füßen herumwuselt.

  • Glossar Eintrag #5     Cheers!

Eine wichtige Frage, die Paul und ich uns weit vor der Abreise aus Deuschland gestellt haben: Wie ist das Bier in Uganda?

Tatsächlich gibt es hier gutes und weniger gutes Bier, genau wie in Deutschland. Richtig schlechte Schädelplörre direkt aus dem Magen der Natur hab ich hier allerdings nirgendwo vorgesetzt bekommen. Bier ist jedoch relativ teuer, weshalb Tütenschnaps hier relativ beliebt ist. Ja genau, Tütenschnaps. Das Zeug schmeckt absolut widerlich, besteht aus Alkohol, permitted food flavours und aus der Verpackung herausdiffundierten Weichmachern. Sowohl das Ertragen des Geschmacks als auch der Trinkvorgang selber erfordern einiger Übung; an Gläser gewöhnte westliche Touristen sauen sich beim ersten Tütenschnaps gnadenlos ein.

Kaufen kann man diese Tüten ab 500 UGX, das sind umgerechnet nichtmal 15 Cent. Bei einem Inhalt von 100 ml und einem Alkoholgehalt von mindestens 40% tun die kleinen Plastikdrinks auch recht schnell ihre Wirkung...

Zu erwähnen wäre da auch noch der Uganda-Waragi. Zu Kolonialzeiten tauften die Engländer ihren Gin aufgrund des bescheidenen Geschmacks liebevoll "War-Gin", wovon sich der Name ableitet. Der Geschmack hat sich seit damals jedoch deutlich gebessert, vermute ich mal.

Fort Portal scheint sicherer als Kampala, ist weniger belebt und weiträumiger. Hier hat man nicht das Gefühl, dauernd um Leib und Habseligkeiten fürchten zu müssen. Gänzlich entspannen können wir aber erst, als wir im Paradise Guesthouse auf unsere Betten plumpsen.
Das Paradise ist ein freundlicher kleiner Ort. Das Personal ist herzlich und zuvorkommend. Für ca. 10 € pro Nacht bewohnen wir eines der luxuriösten Zimmer des Gästehauses: Ein ca. 9 m2 großer Raum mit Fenster (durchaus nicht selbstverständlich), einem Himmelbett mit Mückennetz und sogar einem alten Fernseher (den wir höchstens an sehr verregneten Tagen gebraucht hätten, an denen es aber leider keinen Strom gibt). Einen Schrank gibt es nicht, dafür aber ein eigenes kleines Bad.
Der winzige Waschraum ist gefließt (ebenfalls nicht selbstverständlich) und hat sogar eine Dusche. "Dusche" bedeutet hier einfach nur, dass Wasser von oben kommt und man es sich nicht selber mit einem Eimer über den Kopf schütten muss. Warmes Wasser? Fehlanzeige, mehr im Glossareintrag Plumpsklo und Kübeldusche.
Bis jetzt sind wir die einzigen Gäste hier. Wie sehr wir dem Personal am Herzen liegen, merken wir, als die kaputte Klospülung und das Waschbecken bereits noch am selben Abend für uns repariert werden.

An unserem ersten Abend hier in Fort Portal gehen wir mit Maria und den anderen Freiwilligen im Dutchess Pizza essen - so will es die Tradition. Eine lustige Truppe; jeder einzelne hat gruselige und lustige Geschichten aus seinem Leben hier in Uganda zu erzählen. Der Erfahrungsschatz, den ein solches Freiwilligenjahr in Afrika anscheinend zu bieten hat, macht mich etwas neidisch.
Nachdem die (ziemlich gute) Pizza verdrückt ist, gehen die meisten nach Hause, schließlich ist morgen ein ganz "normaler" Arbeitstag für die Freiwilligen.

Paul und ich lassen uns jedoch von Olli und Enrico zu einer kleinen Kneipentour durch Fort Portal "überreden". Erste Station ist das Glue Pot (von Paul und mir fortlaufend "gnuplot" genannt, Erklärungen spare ich mir), eine kleine Bambusbar mit bunten Lichterketten. Die anwesende Gesellschaft besteht in der Hauptsache aus Locals, die sich aber von uns nicht stören lassen; scheinbar ist man hier an Muzungus gewöhnt. Nach drei Nile Special und ein paar Billiard-Runden, die ich gegen die Jungs allesamt verliere, ziehen wir weiter in eine Local Disco.

Die Menschen im Africana sind uns gegenüber aufgeschlossener (und wahrscheinlich auch betrunkener), ein paar von ihnen geben uns sogar Drinks aus. Die Musik kennen wir bereits von den letzten Tagen; Ollis und Enricos Erklärung nach gibt es hier nur etwa 25 Lieder, die abwechselnd mit westlicher 90er Mucke à la DJ Bobo oder Venga Boys rauf und runter gespielt werden (in den nächsten Tagen fanden wir diese Schilderung durchaus bestätigt).
Außer dem von der Discokugel reflektieren bunten Licht ist der Club kaum beleuchtet; die Menschen tanzen ausgelassen, ich bezahle den ganzen Abend keinen Schilling für meine Getränke, und das alles unter freiem Himmel!

Gegen halb 3 Uhr nachts fallen wir in unsere Betten. Fort Portal ist also absolut partytauglich! Dabei hatte ich mit einem Monat der Ruhe und Abstinenz gerechnet. Tja, schade.

  • Glossar Eintrag #4     Plumpsklo und Kübeldusche

Der sprich- und wortwörtlich eiskalte Kulturschock, den ich bereits vorher erwähnt hatte, trifft uns Europäter im Bereich Sanitärtechnik besonders hart. Wer westlichen Standard will, der muss richtig blechen - den gibt es nämlich nur in den Luxus-Lodges. Mal abgesehen davon, dass Paul und ich uns sowas natürlich nicht leisten können, raten wir aber auch jedem davon ab. Zum einen, weil man sich ohnehin sehr schnell umgewöhnt; zum anderen, weil Afrika auf Augenhöhe viel spannender ist.

Richtige Duschen oder gar Badewannen hier eher unüblich. In den meisten Gästehäusern gibt es zwar welche, aber vor allem in den ländlichen Gegenden greifen die meisten Menschen auf die gute alte Regenwasser-"Kübeldusche" zurück. Wer warmes Wasser zum Duschen haben will, der muss es sich halt vorher selber kochen.

Mit Toiletten verhält es sich ähnlich - auf dem Land Fehlanzeige. Das Plumpsklo befindet sich hinten im Garten; ein kleines Lehmhüttchen mit einem Loch im Boden, nichts weiter. Aber auch daran gewöhnt man sich schnell. Man sollte nur nachts um 3 die Taschenlampe nicht vergessen...
Apropos. Die mutigen unter euch sollten mal in ein Plumpsklo reinleuchten - ist lustig was sich da unten alles bewegt. Tipp: Lampe oder Handy nicht fallen lassen, auch wenn sich der Vibrationsalarm aus 20 m Tiefe ziemlich ulkig anhört.

Von Waschmaschinen hat hier übrigens auch noch niemand was gehört. Hier wird von Hand gewaschen, mit Regenwasser und Kernseife.

Für manche von euch mag das vielleicht alles sehr schockierend klingen - aber ich kann euch versichern: Ich habe in Uganda ein Fleckchen Erde gefunden, wo es weder Dusche noch Toilette noch fließend Wasser und meist auch kein Strom gibt. Alle diese Dinge würde ich jederzeit eintauschen, um nochmal dorthin zu können...
Das Plumpsklo und die Kübeldusche, die ihr auf den Bildern sehen könnt, gehören übrigens zu eben diesem Ort, dem Jacaranda Hilltop Guesthouse in Kazunga.

Gerade als ich anfange, mich an Kampala zu gewöhnen, steht die Weiterreise nach Fort Portal an. Die Stadt liegt ca. 200 km von Kampala entfernt - in Uganda eine Fahrt von 5 bis 7 Stunden. Diese Strecke kann im Matatu zurückgelegt werden, doch wer es sich leisten kann, nimmt den Bus.

Mit Gepäck im Schlepptau ist Kampala wirklich alles andere als entspannt. Selbst im Taxi musst du ständig darum fürchten, jemand könnte im stockenden Verkehr den Kofferraum aufreißen und dich deiner gesamten Habseligkeiten entledigen, sodass du den Rest des Monats dieselbe Unterhose tragen musst...
Irgendwie schaffen wir es jedoch zum Buspark, ohne ausgeraubt zu werden. Maria handelt mit einem der Fahrer einen Preis für die Fahrt aus, währrend Paul und ich versuchen, die dutzenden umstehenden Einheimischen abzuwimmeln, die uns beim (weg)Tragen unserer Gepäckstücke helfen wollen.

Busfahrten laufen in Uganda etwas anders ab als in Deutschland. In den ugandischen Reisebussen sind nicht 4, sondern 5 Sitze nebeneinander in einer Reihe, auf die sich bis zu 7 Menschen quetschen. Einige stehen die gesamte Fahrt über im Gang oder sitzen auf dem Fußboden.
Wir haben Glück und ergattern 3 halbe Sitzplätze in der letzten Reihe; und sobald der Fahrer die letzte Schraube des gerade gewechselten Rades wieder angezogen hat, geht die Fahrt auch schon los.
Bald haben wir die chaotischen Straßen Kampalas verlassen, und es bietet sich uns ein Anblick auf eine afrikanische Landschaft, wie sie im Bilderbuch steht. Vorbei geht es an Feldern, Matooke-Plantagen, Urwald und kleinen Dörfern, in denen ab und zu ein neuer Passagier an Bord kommt. Doch die schaukelige Fahrt über die unasphaltierten Straßen und das monotone Gerede des Predigers, der seit Fahrtbeginn im Gang steht und lauthals das Wort Gottes verkündet, machen uns bald schläfrig...

Nach einer kurzen Pause auf halber Strecke wird der Prediger durch den Bordfernseher abgelöst. Das Wort Gottes kommt nun aus den Lautsprechern.
Wir sind die einzigen Muzungus im Bus. Ab und zu schaut ein Kind neugierig über eine Sitzlehne und winkt uns zu.

Nach guten 5 Stunden und ohne Autopanne (laut Maria ein echter Glücksfall) erreichen wir die ersten Ausläufer von Fort Portal. Die Matooke- Plantagen sind Teefeldern gewichen; insgesamt ist die Landschaft hier grüner und üppiger. Einige Paviane schauen uns gelangweilt vom Wegesrand hinterher.

Der Owino ist der größte der Local-Markets in Kampala und nicht weniger ehrfuchtgebietend als die Gaddafi-owino - jedoch auf gänzlich andere Weise. Selten habe ich so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Die meisten rufen und schreien durcheinander, lautstark wird um die Waren gefeilscht. Manche sitzen auf Kartoffelsäcken und essen, andere halten auf gestapelten Waren ein Nickerchen, wieder andere reden wild gestikulierend auf uns ein.
Immer tiefer dringen wir in den riesigen Markt vor. Hier stehen die Marktstände so dicht, dass kaum zwei Menschen nebeneinander Platz haben. Alles ist mit bunten Tüchern behängt, sodass man den Himmel nicht sehen kann. Ab und zu erreicht ein Sonnenstrahl den schlammigen Boden und macht die Staubpartikel in der Luft sichtbar. Hier unten ist es heiß und stickig; alle Geräusche klingen gedämpft, wie in einem Pillow Fort. Nichts für Leute mit Platzangst.
Es ist hier noch schlimmer als auf offener Straße. Jeder zweite greift nach meinen Armen oder Haaren, mehrmals muss ich mich gewaltsam losreißen. Viele starren oder machen Fotos mit ihren Handys. Selbst fotografiert werden will keiner von ihnen, worauf man uns lautstark hinweißt, als Paul die Szenerie mit seiner Kamera festhalten will.

Bald erreichen wir eine weniger belebte Ecke des Owino: Den Food-Market. Wir entschließen uns, hier einige lokale Speisen zu uns zu nehmen. Wir setzen uns an einen langen Holztisch zwischen die Einheimischen, die uns zu meinem Erstaunen sehr freundlich an ihrer Tafel dulden. Einer von ihnen spricht uns sogar an, will wissen, wo wir herkommen, erzählt uns, dass er selbst einmal nach Deutschland gereist ist, und empfiehlt uns einige der lokalen Köstlichkeiten. Maria bestellt für jeden von uns unterschiedliche einheimische Gerichte, sodass wir alles vom jeweils anderen probieren können.

Wenig später bringt man uns drei riesige Teller - auf jedem ist exakt die gleiche Mischung aus Matooke, Posho, Reis und Bohnen. Viel macht uns dieser klitzekleine Fehler nicht aus, denn die Aufregung hat uns hungrig gemacht.

Der Hindu-Tempel von Kampala ragt mitten in der Stadt zwischen den Häusern empor. Hunderte Tauben sitzen auf den Zinnen, die in typischer Bauweise aus gelbem Sandstein aufgetürmt sind. Nach der Aufregung auf dem Owino-Market bin ich froh, in diese Oase der Ruhe einzutreten. Namasté!

Auch hier legen wir am Eingang unsere Schuhe ab. Drinnen wird gerade ein Gottesdienst vorbereitet, aber man lässt sich von unserer Anwesenheit nicht stören. Der Gebetsraum ist hell, freundlich und bunt, jedoch nicht annähernd so groß wie der in der Gaddafi-Moschee. Die Hindus bilden eine noch kleinere Minderheit in der ugandischen Gesellschaft als die Muslime; die meisten Menschen hier sind Christen.
An der Stirnseite des großen Raumes finden wir einen kleineren Raum vor, vielleicht so etwas wie das Allerheiligste in der Kirche? Jedenfalls trauen wir uns nicht, hinein zu gehen. Der Raum ist geschmückt mit allerlei Pflanzen und Bildnissen von Gottheiten; Obst hängt von der Decke. Eine Art Opfergabe? Es ist immer wieder unglaublich, wie wenig Plan man doch von fremden Reliogenen hat...

In einer Ecke des großen Gebetsraumes finden Paul und ich eine kleine Anordnung von Instrumenten inklusive einer 5000-Watt Bass Machine. Sichtlich erheitert, ernten wir böse Blicke von den eifrigen Gottesdienstlern, woraufhin wir uns still in den Außenbereich des Tempels verziehen.

Von hier aus kann man den gegenüberliegenden Sikh-Tempel sehen (Bild oben), was wir am Khanda-Symbol auf einer der Flaggen erkennen. (Wer hat nochmal keine Ahnung von fremden Religionen? Hm?)

  • Glossar Eintrag #3     Local Cuisine - Kleine ugandische Food-Fibel

Das ugandische Localfood besteht in der Hauptsache aus Kohlenhydraten und übertrifft das deutsche Mensaessen um Längen - zumindest in der Kategorie Geschmacksneutralität. Siehe dazu auch den Eintrag über Royco.
Hier gibt es eine kleine Übersicht der ugandischen Gerichte, die wir am häufigsten zu uns genommen haben:

Kochbananen - oder Matooke - wachsen hier wirklich überall. Ihnen ist sogar ein Geldschein gewidmet, nämlich die 10.000 UGX-Note. Die Kochbananen sind ein absolutes Grundnahrungsmittel hier; meistens werden sie unreif gekocht und zu einem gelben Brei zerstampft, der kein bisschen nach Banane schmeckt, sondern eher nach Kartoffelbrei. Ich hab gehört, dass die Früchte sogar ein bisschen süß schmecken sollen, wenn man sie reif werden lässt...

Posho ist eine weiße, feste Masse, die aus Maismehl hergestellt wird. Das Zeug ist ziemlich geschmacksneutral, macht dafür aber pappsatt. Für viele Menschen hier ist es neben Matooke das "täglich Brot". Kalo ist der gleiche Matsch wie Poshu, nur braun und aus Hirse. Meiner Meinung nach die leckerere Variante.

Ein Chapati ist eine Art indischer Pfannkuchen, der aus nichts weiter besteht als Mehl, Wasser und Salz. Man könnte Chapatis mit so vielen leckeren Dingen wie z.B. Nutella oder Schinken kombinieren! Hier in Uganda kriegt man jedoch meistens nur n Klecks Poshu.

G-Nuts, oder auch Erdnüsse (G von "Groundnuts"). Daraus wird hier die berühmte G-Nut-Sauce hergestellt, eine rosa Pampe, die ziemlich gut zu fast allem schmeckt, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Unser absolutes Lieblingsessen hier: Rolex! Es ist etwas aufwändiger in der Herstellung als die bereits erwähnten Gerichte und wird hier an jeder Straßenecke auf kleinen schwarzen Öfen hergestellt und verkauft. Man nehme: Zwei Eier und ein bisschen Gemüse (meist Tomaten und Karotten) und stelle daraus ein Omelett her. Dies wickle man zusammen mit "seperatly fried Cabbage" in ein Chapati ein - Fertig ist das Rolex, dass man hier in Uganda nicht um den Arm, sondern im Bauch trägt. Diese ziemlich fettige Angelegenheit schmeckt zum Frühstück am besten, ist aber auch als Snack zwischendurch absolut zu empfehlen, vor allem bei einem Preis von umgerechnet 60 cent. Der Name Rolex kommt übrigens von "Rolled Eggs".

Meatsticks sind nichts anderes als Fleischspieße, die an der Roadside über offenem Feuer oder auf kleinen Grills gegart und verkauft werden. Superlecker; man muss jedoch aufpassen, wo man isst. Das Risiko, hinterher auf Fleisch mit Schuhsohlenkonsistens herumzukauen oder gar Bushmeat angedreht zu bekommen, ist recht hoch.

Käse- oder Milchprodukte gibt es kaum, und wenn dann nur in den teuren Restaurants und Hotels. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass hier fast niemand einen Kühlschrank hat, zumindest keinen mit ausreichender Stromversorgung.

As-salamu alaikum - Wa-alaikum us-salam!

Die Moschee von Kampala ist auf einem der sieben Hügel der Stadt gelegen, sodass man von hier aus einen guten Überblick hat. Auf dem großen Platz vor den breiten treppen aus weißem Stein, die zur Moschee hinauf führen, sind bunte Buden und Stände mit Andenken aufgebaut. Man führt mich und Maria hinter eine dieser Buden, wo wir "transformed" werden sollen - unverschleiert ist es uns nicht erlaubt, das Gotteshaus zu betreten. Eine nette junge Ungaderin wickelt uns in lange bunte Tücher ein, bis nur noch das Gesicht zu sehen ist.
Nach einigen bösen Blicken in Pauls Richtung ist ihm das Lachen angesichts unserer Aufmachung in ein debiles Grinsen übergegangen, und unser Guide bittet uns höflich, ihm zu folgen. Am Fuße der Treppen legen wir unsere Schuhe ab; der warme Sandstein fühlt sich barfuß ohnehin viel besser an. Nicht so gut jedoch wie der flauschige Teppich, den wir kurz darauf betreten.

Damit ausgelegt ist der gesamte Innenraum der riesiegen Moschee; einer der hellsten und freundlichsten Räume, die ich je betreten habe. Man setzt uns in eine Ecke nahe der großen, zweiflügligen Eingangstür unter dem Fenster aus buntem Glas. Hier werden wir Zeugen einer muslimischen Hochzeit, die in einigen Metern Entfernung abgehalten wird. Unser Guide, ein netter alter Mann, erklärt uns die Prozedur.

Eine gefühlte Ewigkeit sitzen wir dort in unserer Ecke und lauschen den Worten des alten Gläubigen, der uns die Bedeutung der Moschee für die Stadt und ihre Menschen erklärt. Dies hier sei nicht nur ein Haus Gottes, sagt er, es sei ein Ort der Zusammenkunft, des Trostes und der Geborgenheit. Und tatsächlich, eine gewisse Magie geht aus von diesem Ort; man vergisst für eine kurze Zeit das hektische Treiben auf den Straßen Kampalas, wenn man unter den kunstvoll verzierten Bögen und Säulen herschreitet...

Die Realität hat uns wieder, als wir die 3,25 · 1019 Stufen des Minaretts erklimmen, doch unsere Mühe wird belohnt: Ein Panoramablick über die Hauptstadt Ugandas, die von hier oben wunderbar grün und freundlich aussieht. Ein bisschen fühle ich mich an Rom erinnert, als ich die sieben Hügel der Stadt zähle.

In Kampala angekommen fällt einem eines sofort auf: Der chaotische Straßenverkehr. PKWs, Lieferwagen, Taxen, Matatus, Boda-Bodas, Fußgänger und Lastenträger laufen, fahren, rollen und schieben durcheinander, dass dem deutschen Verkehrsteilnehmer Hören und Sehen vergeht. Und als wäre das alles nicht schon verwirrend genug: In Uganda herrscht Linksverkehr.

Fun-Fact: Das "Herz" Kampalas ist ein riesiger - haltet euch fest - Taxistand. Ebendort steigen wir aus unserem Matatu, und geraten hinein in einen absoluten Alptraum.

Mein erster Eindruck von Ugandas Hauptstadt: Die schrecklichste, dreckigste, unfreundlichste Stadt der Welt!
Allein der Weg vom Matatu zum Hotel ist für mich der reinste Höllentrip. Neben Maria, die sich zielstrebig und geschickt über die kaputten Straßen und durch die Menschenmassen hindurch manövriert, müssen Paul und ich aussehen wie verschreckte, grobmotorische Kleinkinder. "Taschen gut festhalten!"

Der Tipp kommt keinen Augenblick zu früh. Also klammern wir uns krampfhaft an unsere Rucksäcke in dem verzweifelten Versuch, Maria bloß nicht aus den Augen zu verlieren. Geduckt quetschen wir uns durch die Menge. Immer wieder müssen wir mit einem großen Satz über eines der metertiefen Löcher im bröckeligen Gehweg springen; dabei werden wir begafft von hunderten Einheimischen. Viele begnügen sich mit einem "Hello Muzungu!" oder einem "How are you?", manche greifen nach meinen Armen oder gar meinen Haaren. Ich stiere gerade aus und versuche, möglichst schnell hinter Paul und Maria herzustolpern. Bloß weg von diesem Ort!

Endlich im Hotel angekommen falle ich erschöpft auf mein Bett. Wo bin ich hier gelandet?
Ich schätze, man muss die Dynamik dieser Stadt erst lernen, sich an die Menschen gewöhnen und erkennen, wie man sich durch Kampalas Straßen bewegen muss, bevor man sich nicht mehr gänzlich wie ein Fremdkörper in einem Organismus vorkommt, der mit aller Gewalt ausgestoßen werden muss...

Nachdem der erste Schock überstanden ist, macht mir auch der Zustand des Hotelzimmers nichts mehr aus. Am liebsten den Rest des Aufenthalts hier in diesem Zimmer bleiben, denke ich mir, mit den muffigen Betten und schmandigen Vorhängen, wo der Putz von den fleckigen Wänden abbröckelt und braunes Wasser aus dem Hahn tropft. Bloß nicht wieder auf die Straße!

Doch daraus wird leider nichts, da unser Gepäck ins falsche Hotel geliefert wurde. Also wieder zurück durch die Häuserschlucht, am bewaffneten Guard vorbei und auf die Straße, wo direkt der nächste Schock auf mich wartet: Maria hat drei Boda-Boda-Fahrer angeheuert, die uns zu besagtem Hotel bringen sollen. "Keine zehn ugandischen Zebras kriegen mich auf eins dieser Selbstmordmofas", ist der Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, doch es fehlt die Zeit, um zu protestieren. Schon sitze ich hinter dem dürren Fahrer mit der roten Wollmütze auf dem klapprigen Motorrad-Taxi - und los geht die Fahrt meines Lebens! Schon nach 10 Metern ist die Angst verflogen, der schockstarre Ausdruck auf meinem Gesicht ist einem breiten Grinsen gewichen.

Den Spaß einer ersten Boda-Boda-Fahrt durch Kampala - das muss man einfach selbst erlebt haben! Geschickt manövriert der Fahrer zwischen den Massen hindurch, vorbei an den teilweise meterbreiten Schlaglöchern; über Kreuzungen, an denen hunderte kleine und große Fahrzeuge wild durcheinander fahren. Der Verkehr lässt keine Systematik erkennen, und doch achtet hier jeder irgendwie auf den anderen, sodass der Empfehlungswert einer roten Ampel konsequent ignoriert werden kann. Wer am lautesten hupt, hat Vorfahrt.
Die Geschwindigkeit varriert zwischen 0 und 60 km/h. Schnell lernt man, dem Fahrer einfach zu vertrauen und nicht mehr auf die chaotischen Straßen zu achten, sondern stattdessen das wuselige Kampala und den Fahrtwind in den Haaren zu genießen. Zwischendurch muss ich mich beherrschen, nicht laut aufzulachen. Der Fahrer grinst mir amüsiert über den Seitenspiegel zu und gibt noch mehr Gas.

Mit einem breiten Grinsen vom Backbord- bis zum Steuerbordohr steige ich, am Ziel angelangt, von meinem Boda. Kampala ist für mich gerettet!

  • Glossar Eintrag #2     Muzungus

"Hey, Muzungu!"

Das ist die Wortkombination, die mir in Uganda am häufigsten zu Ohren gekommen ist. Als Muzungus werden hier alle Weißen bezeichnet; das Wort bedeutet so viel wie "der Reisende" oder "der Suchende". Es ist dabei keineswegs abwertend gemeint, nicht wie wenn jemand bei uns "Ey, Schwarzer!" sagen würde.

Besonders die Kinder in den abgelegeneren Dörfern fahren total auf Muzungus ab. Fährt man mit dem Boda-Boda durch eins der Villages, hört man schon von weitem "Muzungu, Muzungu!"-Rufe, worauf dutzende Kinder zum Straßenrand gelaufen kommen und winken. Ein Zurückwinken wird manchmal mit lautem Gelächter und Luftsprüngen gefeiert. Superniedlich!

Natürlich wird das Attribut "weiß" in Afrika oft mit "reich" assoziiert. Vor allem in Städten wird "Hey, Muzungu!" daher gern durch "Give me my [...]!" ergänzt. Die eckigen Klammern werden wahlweise, je nach Situation, durch "money", "pants", "shoes" oder auch "sweeties" ausgefüllt.

Ebenfalls beliebt ist auch "How are you, Muzungu!". Das hört man echt an JEDER Ecke. Selbst von den Kindern, die eigentlich noch gar kein Englisch können. Die wenigsten Leute erwarten dabei eine Antwort auf die Frage und reagieren auf ein "Thankyou Sir, I'm fine, how are you?" völlig perplex.

Neben den Muzungus, womit in der Hauptsache weiße Europäer und Amerikaner gemeint sind, gibt es übrigens auch noch die Muhindis und die Muchinas. Dabei handelt es sich vermutlich um nachträglich erfundene Kunstwörter, deren Bedeutung wohl klar sein dürfte.

  • Glossar Eintrag #1     Transportmittel in Uganda

Matatus sind umgebaute japanische Kleinbusse, ursprünglich ausgelegt für den Transport von 8 Fahrgästen. Hier in Uganda werden bis zu 27 Personen plus Federvieh in ein Matatu gequetscht; man hat so gut wie nie einen Platz für sich allein. Die Taxi-ähnlichen Transportmittel fahren erst dann los, wenn sie voll sind. Fahrpläne: Gibts nicht.

Boda-Bodas sind das bevorzugte Kurzstrecken-Transportmittel in Uganda. Die meisten Reiseführer raten von einer Fahrt auf einem dieser Motorrad-Taxis, strikt ab - aber ehrlich Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Bock das macht! Und die Dinger sind superpraktisch. Man findet eigentlich immer irgendwo ein Boda, auch mitten in der Nacht. Einmal kurz winken, mit dem Fahrer einen Preis aushandeln (Richtwert ist immer ca. die Hälfte von dem, was der Fahrer vorschlägt), und los gehts. Helm oder Schutzkleidung: Fehlanzeige.

Hinter dem Fahrer ist locker Platz für zwei Personen und ein Huhn. Zu dritt und mit Ziege wird es schon etwas eng, geht aber alles. Boda-Boda ist übrigens eher die Bezeichnung für die Dienstleistung. Das Motorrad als solches ist ein Piki-Piki. Die meisten Fahrer verleihen ihre Pikis auch, und wenn man Glück hat, erwischt man eins, bei dem nicht auf halber Strecke die Kupplung abbricht.

Reisebusse: Längere Strecken, wie zum Beispiel Kampala - Fort Portal, legt man am besten im Bus zurück. Die sind meist schneller als die Matatus und angeblich deutlich komfortabler, was sich jedoch nicht unbedingt mit meinen Erfahrungen deckt. Platz hat man im Bus genausowenig wie im Matatu, dafür ist die Fahrt oft weniger halsbrecherisch.

Personenzugverkehr existiert in Uganda überhaupt nicht. Und da die meisten Straßen in einem katastrophalen Zustand sind (meterbreite und -tiefe Schlaglöcher sind keine Seltenheit), ist man für eine Strecke von 200 km mal locker 5-7 Stunden unterwegs - vorrausgesetzt man bleibt pannenfrei und der Fahrer hat nicht vergessen zu tanken.

Bei den meisten Fahrzeugen in Uganda, ob Boda-Boda, Matatu oder Reisebus, ist übrigens ein Mut machender Spruch auf Stoßstange, Heckscheibe oder Motorhaube á la "In God We Trust" gepinselt. Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehn. Augen zu und gut festhalten!

  • Landung in Entebbe
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  • 08. August 2014

I saw a friend of mine the other day
And he told me that my eyes were gleamin'
I said I had been away, and he knew
He knew the depths I was meanin'.

(Ben Howard)

Eine andere Welt!

Schon die Ankunft am Flughafen in Entebbe machte dies mehr als deutlich. Ein scheinbar heruntergekommenes Flughafengebaude, eine Landebahn inmitten grasender Ziegen; auf der einen Seite durch Wasser, auf der anderen durch einen Maschendrahtzaun begrenzt, hinter dem einheimische Kinder den ankommenden Flugzeugen winken. Mit Sturmgewehren bewaffnete Polizisten an jeder Ecke. Und roter Staub! Überall.

Die Touristen-Abfertigung im internationalen Flughafen von Entebbe ist etwas verwirrend, so dass wir es irgendwie schaffen, uns aus Versehen an der Passkontrolle vorbeizuschleichen. Ein bisschen wundern tun wir uns schon, dass niemand unser Visum sehen will, aber inzwischen sind wir bereits am Gepäckband angekommen und viel zu sehr damit beschäftigt, unsere zahlreichen Koffer in der Menschenmenge auszumachen. Dass der fehlende Stempel im Visum zu Problemen führen würde, ist uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst...

Willkommen geheißen werden wir von Pauls Schwester Maria und einigen anderen Freiwilligen aus Fort Portal. Mit Gepäck passen wir natürlich nicht alle in den Mietwagen, also entscheiden wir uns kurzerhand, die 40 km bis Kampala im Matatu zurückzulegen - womit das erste große Abenteuer seit dem langen Flug von Düsseldorf beginnen sollte. Und es sollte nicht das letzte Abenteuer des heutigen Tages bleiben, aber dazu später mehr.

Die staubige Straße von Entebbe nach Kampala ist gesäumt von Sinneseindrücken, die man nur schwer in Worte fassen kann. Dennoch: Die knalligen Farben der aneinander gereihten Kaufläden, die von Plastikspielzeug über Polstermöbel bis hin zu Lebendgefieder fast alles verkaufen, was man sich vorstellen kann; davor Händler und Käufer, die um die Waren feilschen; die Kinder, die zwischen den Hühnern und Ziegen auf der Straße spielen. Immer wieder steile, mit Bananenpflanzen bewachsenen Abhänge, die sich zwischen dem geschäftigen Treiben auftun.

Wir sind müde von der langen Reise. Aus dem Matatu-Radio tönt scheppernd arabisch klingende Musik. Man lässt sich davon einlullen, bis man durch eines der zahlreichen Schlaglöcher in die Realität zurückgeholt wird.

Beim Lesen dieses Tagebuches werden euch einige Wörter unterkommen, die ihr noch nie gehört habt. Dafür habe ich ein kleines Glossar angelegt, aus dem ihr den ersten Eintrag hier lesen könnt: